Marlene Rupprecht zu Gast im Borchert- Gymnasium
Nicht nur um aktuelle Probleme in Brüssel und Straßburg ging es am Europa- Schulprojekttag, zu dem die Tuchenbacher Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht im Wolfgang- Borchert- Gymnasium zu Gast war. Mit Schülerinnen und Schülern diskutierte die SPD- Parlamentarierin auch Grundsätzliches von der Polizisten- Kennzeichnung bis zum Fraktionszwang.
Wie Marlene Rupprecht eingangs erwähnte, ist sie nicht nur wegen der aktuellen Eurokrise derzeit in großer Sorge um Europa: „In meiner Kinder- und Jugendzeit habe ich erlebt, wie die Jugend der ehemaligen Erbfeinde und Kriegsgegner Frankreich und Deutschland Freundschaft geschlossen hat. Nur mit diesem Willen der Völker, Europa als gemeinsamen Lebensraum zu gestalten, konnte das grenzenlose und friedfertige Europa, wie wir es heute kennen, eine Selbstverständlichkeit werden.“
Die SPD- Bundestagsabgeordnete, die für Deutschland auch in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats mitarbeitet, appellierte an die Jugendlichen, nicht auf Anti- Europa- Sprüche hereinzufallen: „Wenn Rechte und Nationalisten in Dänemark, Finnland und andernorts die Schlagbäume wieder aufstellen wollen, müssen gerade wir als Deutsche im Herzen Europas dem entschieden begegnen. Von den Produkten, die Deutschland ins Ausland exportiert, gehen rund zwei Drittel in den Euro- Raum. Deshalb, aber auch aufgrund unserer geografischen Lage, ist es für uns existenziell wichtig, dass es Europa als Ganzem gut geht.“
Massive Kritik am „bulimischen Lernen“: G8 verstößt gegen UN- Kinderkonvention
In der Fragerunde interessierten sich die Jugendlichen auch für Innere Sicherheit und Bildungspolitik. Marlene Rupprecht stellte dabei klar, dass sich Freiheit und Sicherheit für sie nicht ausschließen, sondern in einem demokratischen Staat erst gegenseitig ermöglichen: „In vielen südamerikanischen Staaten würde man sich mehr Sicherheitskräfte wünschen, damit die individuelle Freiheit nicht davon abhängt, ob man sich schwerbewaffnete private Sicherheitsdienste leisten kann. Gleichwohl muss nach der politischen Verantwortung gefragt werden, wenn die Polizei bei Stuttgart21 friedliche Demonstranten schwer verletzt.“
Angesichts der Diskussion um schulische Reformen rief die SPD- Parlamentarierin die Jugendlichen auf, sich einzumischen: „Was mich am G8 am meisten stört, ist die Tatsache, dass hier eine Reform einfach von der Staatsregierung durchgedrückt worden ist, ohne die Schule so zu verändern, dass gemeinsames Leben und Lernen gut möglich ist: In der UN- Kinderkonvention ist das Recht auf Freizeit für Kinder und Jugendliche verbrieft. Unser jetziges Schulsystem mit seinem Zwang zum regelrecht bulimischen Lernen verstößt auch dagegen ganz massiv.“
Auf die Frage nach einer eventuellen Wahlpflicht stellte Marlene Rupprecht klar, dass sie einen Zwang zum Urnengang trotz des Problems niedriger Wahlbeteiligung ablehnt: „Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen ihre demokratischen Rechte wahrnehmen, um Einfluss auszuüben. Diese Pflicht muss eher eine moralische sein, denn nur so kann unsere Demokratie auch eine echte Legitimation erfahren.“


